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Gute-Nacht-Geschichte für Kinder |
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Der Igel von Eva Strittmatter aus "Gute-Nacht-Geschichten" Kinderbuchverlag Berlin, 1980 |
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Der Hund hat am Bach einen Igel gefangen. Der Igel trank im Mondlicht
drei Tropfen, da packte ihn der Hund. Der Igel rollte sich ein, der Hund
zerstach sich die Nase. Er heulte, doch er schleppte den Igel über die Wiese vors Haus.
Da bellte er. Die Leute kamen heraus. Sie schalten: "Was soll das Gelärm?
Ist wo ein Fuchs, oder ist Feuer?" Der Hund schwänzelte stolz: Seht
doch das Ungeheuer zu meinen Füßen! Der Igel ist klein, ein Igelkind, und wie Kinder sind - neugierig und dreist. Vergessen hat er den Hund und dass der Hund beißt. Er trippelt auf der Treppe umher, äugt über den Stufenrand. An Vaters Schuhband nagt er, dann wagt er, auf den Schuh zu klettern. Am Hosensaum beginnt er zu kaun. Der Vater krault den Hund und lacht. "Einen Faxenclown hast du uns gebracht!" Er nimmt das Igelkind mit ins Haus. Der Hund bellt beleidigt den Mond aus. Die Leute gehn schlafen. Im Kasten rumort es, raschelt und kratzt. Wo ist der Bach, wo ist die Wiese? Dann schmatzt es. Der Igel schlürft die Milch, die Milch schmeckt. "Vater, der Igel ist still!" "Hat sich müde geleckt." Am Morgen ist der Igel fort. Kasten umgekippt, Milchnapf zerbrochen - wo ist der Faxenclown hingekrochen? Die Kinder sehen in alle Ecken. Kann sich ein Igel im Mausloch verstecken? Drei Tage vergehn. Raschelt die Katze, rischelt die Maus, knispelt Papier, heißt's: Der Igel ist hier. Am Abend - die Suppe ist aufgetan - fängt's in der Küche zu spuken an. Die Ringe klappern, es scharrt im Herd, wie wenn der Essenkehrer mit dem Besen dreinfährt. Der Hund heult und kratzt an den Kacheln. Die Kinder erschrecken. Der Vater klopft an den Tiegel: "Den fress ich, ist das nicht der Igel!" Die Kinder jammern: "Igel, komm raus! Kriegst Milch, Brot und Butter, feinfeines Futter!" Im Schornstein klirrt ein Ziegel. "Der Igel!" "Der Wind war's, Kind." Am Morgen führt eine rußige Spur über den Küchenflur. Winzige Tapfen wie Puppenfußstapfen: Der Igel war aus, hat das Haus durchschnuffelt und von Hunds Brotbrei gemuffelt. Er hat die Wiese gesucht und den Mond, wo er wohnt. Ins Wandfach ist er geklettert, in den Zeitungen hat er geblättert. Am Strickstrumpf hat er sich die Beine gesäubert, aus dem Korb hat er einen Apfel geräubert. Den Apfel hat er angebissen und beim Naschen den Milchkrug umgerissen. Den Mond hat er nicht gefunden. Wie's Tag wurde, ist er im Herd verschwunden. Die Feuerlochtür am Backofen steht auf. Da hinauf führt die rußflockige Spur. Die Kinder leuchten in den Herd hinein. Wie's Streichholz aufblitzt, flitzt was davon. Die Kinder sind still wie die Hasen, da kommt aus dem Zugloch am Schornstein eine Nasenspitze und schnuppert, dann lugen Knopfaugen ums Eck, sehn was und - weg. Drei Wochen vergehn, sie kriegen keinen Stachel zu sehn. Die Kinder jammern: "Mach kein Feuer im Herd, Mutter, der Igel erstickt uns im Rauch! Er hält Winterschlaf, wird es draußen erst warm, merkt es der Igel auch." Die Mutter sagt: "Wie koch ich das Essen? Solltet den Igel endlich vergessen!" Die Kinder schütteln sich: "Nein!" und schrein ins Feuerloch: "Wer drin ist, zeige sich doch!" Da sehn sie: Im Fach liegt ein Hügelchen Ruß, ein Pfad führt hindurch. Nur der Igel kann's sein, der den Herd auskehrt, wenn er mit dem Stachelkamm durch die Züge fährt. Am Abend löschen die Leute das Licht, sie warten und wispern: "Kommt er heut, kommt er nicht?" Die Kinder sind klein, schlafen ein. Das jüngste fällt von der Bank, schlägt sich am Schrank. Im Herd bleibt es still. Fang den Igel, wer will! In der Frühe ist der Vater zugange, lange vor Tag. Er schöpft Wasser und hört: Es scharrt. Er kratzt seinen Bart, schaut sich um, doch im dummsigen Morgenlicht sieht man Katze und Mäuse nicht. Da stößt ihn was an den bloßen Fuss, der Vater fasst zu, hat die Hände voll Ruß und - gefangen hat er Clown Igel. Nun kriegt der Igel zwischen Schrank und Bank in der dunklen Ecke ein Versteck. Die Herdtüren schließt fest, tut ihm Heu in sein Nest, roll dich ein, Igel, und schlaf! Der Winter ist lang, der Igel hält aus. Nur manchmal kommt er aus seinem Haus, streift nachts umher, nascht vom Hundebrei, steigt ins Wandfach und schleppt mancherlei fort, ins Versteck um die Eck. Papier schleift er mit und die Kelle, eine Elle Zwirn und zwei Birnen. Mit Papier und Kelle und der Elle Zwirn polstert Clown Igel sein Lager. Die Birnen nagt er säuberlich ab, den Rest heftet er fest auf die Stacheln. Dann schnuffelt und schnieft er, schläft weiter. Der Frühling fährt ein, die Katzen schrein, die Hähne versuchen zu singen. Clown Igel kann den Schlaf nicht bezwingen. Die Kinder lassen ihn Sonne lecken. Sie erschrecken: So leicht ist der Igel. Sie rollen die Kugel hin und her, als wäre die Stachelhülle leer, starr und steif ist der Igel. Da kommt der Hund und bellt. Die Kugel schnellt auseinander. Igel Faxenclown schlupft durch den Zaun, in den Dornrosenstrauch. Und suchen sie auch, sie finden ihn nicht. Der Dornstrauch ist dicht. Der Igel raschelt im Grase. "Seine Nase!" Ach nein, nicht die Nase noch Bein. Aber lange noch heißt es: "Der Igel!", tanzt auf dem Herde der Tiegel. Groß werden die Kinder, aber manchmal fragt eines: "Wisst ihr noch jenen Winter? Da hat bei uns der Igel gewohnt. Der kam zu uns, da schien der Mond. Und lief von uns zum Sonnenlicht. Wisst ihr es noch? Ihr wisst es nicht?" |