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Gute-Nacht-Geschichte für Kinder |
| Das Ei von Hannes Hüttner aus "Gute-Nacht-Geschichten" Kinderbuchverlag Berlin, 1980 illustriert von Thomas Schleusing Saß ein Huhn auf dem Berg und legte ein Ei. Stand auf, sah sich um und gackerte: "Tack-tack-taaak, ich habe ein Ei gelegt!" Kam die Frau gelaufen und rief: "Ei, ei, ei - ein Ei! Das bringt drei Groschen, dafür kauf ich mir Bänder und schmücke mich, drehe mich, besehe mich..." Sie griff nach dem Ei, aber das Ei rief:
"Keine Zeit, keine Zeit, die Welt ist weit, die Mutter streng, mein Rock zu eng!" Und rollte rille, ralle rulledihops den Berg hinunter. Das Huhn hinterher, rannte und rannte und rief: "Kommst du wohl zurück!" Kam der Fuchs geschnürt und sprach: "Ei, ei, ei - ein Ei! Das fang ich, zerdrück es und schlürfe das Gelbe. Das wird mir behagen!" Doch das Ei rief:
"Keine Zeit, keine Zeit, die Welt ist weit, die Mutter streng, mein Rock zu eng!" Witschte dem Fuchs unter den Pfoten durch und rollte rille, ralle, rulledihops den Berg hinab. Das Huhn hinterher, rannte und rannte und rief: und rief: "Kommst du wohl zurück!" Saßen drei Leute vor ihrem Zelt und kochten Kaffee. "Ei, ei, ei - ein Ei!" rief der Mann, "hier hab ich die Pfanne, da kommst du hinein, das gibt ein Spiegelei, duftig und frisch!" Da Ei hopste hoch und schrie:
"Keine Zeit, keine Zeit, die Welt ist weit, die Mutter streng, mein Rock zu eng!" Sprang übers Feuer und rollte rille, ralle, rulledihops den Berg hinab. Das Huhn hinterher, rannte und rannte und rief: "Wirst du wohl gleich zurückkommen!" Kam der Förster gegangen und rief: "Ei, ei, ei - ein Ei!" Das koch ich mir hart und ess es als Wegzehrung mit Pfeffer und Salz aus der Hand." Er bückte sich, aber das Ei sprang ihm über die Hand und rief: ![]() "Keine Zeit, keine Zeit, die Welt ist weit, die Mutter streng, mein Rock zu eng!" Und rollte rille, ralle, rulledihops den Weg hinunter. Das Huhn hinterher und rannte und rannte und rief: "Kommst du wohl gleich zurück!" Kam das Mütterchen gehumpelt, hatte keine Zähne mehr und murmelte: "Ei, ei, ei - ein Ei! Das rühre ich in die Suppe, salz es und schmeck es ab!" Sie bückte sich, doch das Ei rief: ![]() "Keine Zeit, keine Zeit, die Welt ist weit, die Mutter streng, mein Rock zu eng!" Wich ihr aus und rollte rille, ralle, rulledihops den Berg hinunter. Das Huhn hinterher, rannte und rannte und rief: "Mein Eichen, mein liebes, gutes Eichen!" Kam der Hase gehoppelt und pfiff: "Ei, ei, ei - ein Ei! Sollst mein erstes Osterei sein, das ich bunt bemale!"
"Keine Zeit, keine Zeit, die Welt ist weit, die Mutter streng, mein Rock zu eng!" rief das Ei und rollte rille, ralle rulledihops den Berg weiter hinunter. Das Huhn hinterher, rannte und rannte und rief: "Ich ... kann ... nicht ... meeehr!" Stand ein dicker Stein im Weg und brummte: "Ei, ei, ei - ein Ei! Geh ich aus dem Weg oder du? Ach was, geh du, ich steh schon länger hier!" Rief das Ei:
"Keine Zeit, keine Zeit ..." Und sprang mit Schwung gegen den Stein. Knacks, sagte es, da war das Ei zersprungen. Aber aus den Schalen kroch ein junges Huhn hervor und rief:
"Die Welt ist weit, die Mutter streng, mein Rock zu eng!" Da hatte die Mutter das Ei, nein, das Huhn eingeholt und rief: "Nein, dass du nicht verkauft, zerdrückt, gebraten, gekocht, eingerührt und bunt bemalt worden bist, sondern dastehst und gackerst! Man gackert aber nur, wenn man das Ei gelegt hat. Und jetzt marsch nach Hause!"
Und dann sind sie den Berg wieder hinaufgestiegen. |