Bildungschancen für alle

05. Februar 2007

Wer hat in Deutschland Bildungschancen?

In Deutschland wird über das weitere schulische - also über das Lebens-Schicksal des Kindes - entschieden, wenn das Kind gerade mal 10 Jahre alt ist. Eine schwerwiegende Entscheidung.
Um so schwerwiegender, weil Schulempfehlungen der Lehrer nicht nur oft subjektiv, sondern sogar falsch sind.
Akademikersprösslinge haben bei gleicher Leistung und bei gleicher Intelligenz eine höhere Chance, eine Realschul- oder Gymnasialschulempfehlung zu bekommen als Arbeiterkinder.

Besonders bayerische Kinder aus unteren Schichten haben bei gleicher Leistung – laut IGLU-Studie – eine fast dreimal schlechtere Chance, aufs Gymnasium empfohlen zu werden.
Bei den Lehrerempfehlungen spielen das Milieu des Elternhauses und die finanziellen Möglichkeiten der Eltern für eventuell notwendig werdenden Nachhilfeunterricht eine große Rolle.
Bei fast der Hälfte der Viertklässler werden Lehrerempfehlungen quasi willkürlich gegeben.
Das hat die IGLU-Studie gezeigt, in der Leistungen der Schüler getestet und dann mit den Lehrerempfehlungen verglichen wurden, so kürzlich in der ARD-Sendung "PANORAMA" zu sehen.











In Finnland hat JEDER Bildungschancen


Ende der 60er Jahre wurde in Finnland "Bildung für jeden" politisches Programm. Man hatte vorab das Bildungssystem der ehemaligen DDR studiert, das einheitlich für alle galt, egal ob man in Thüringen, Sachsen, Mecklenburg oder Berlin wohnte.
In Finnland beschloss das Parlament 1968 die Einführung einer neunjährigen Gesamtschule. An diese schließt sich eine dem College verwandte Oberschule an. Seit Mitte der 70er Jahre gehen die finnischen Schüler 12 Jahre zur Schule. Die Lernziele sind gesetzlich vorgeschrieben. Dem Pädagogen bleibt es joch selbst überlassen, wie er seine Schüler ans Ziel bringt. Darum ist es nicht selten, dass ein Pädagoge die Stunde gestaltet und der andere sich um die Schüler kümmert, denen es zu schnell oder auch zu langsam geht.

Und in Deutschland?

Warum kann das Gesamtschulmodell nicht auch in Deutschland praktiziert werden?
Nur, weil es keine "DDR-Einheitsschule" geben darf?
Es bestreitet zwar kaum jemand, dass die ehemaligen DDR-Bürger gut ausgebildet worden sind. Sehr erfreut war man in der BRD, wenn in der DDR ausgebildete Akademiker und Facharbeiter ihren Wohnsitz von Ost nach West verlagerten. Und nicht nur aus politischen Gründen!

Will man in der Bundesrepublik Deutschland nur Kindern von Adel, von Akademikern, aus religiösen Haushalten oder von "Geldleuten" Bildungschancen einräumen? Sollen Arbeiterkinder, Kinder von Hartz IV-Empfängern oder Kinder aus einem armen Elternhaus durch geringe Bildungsmöglichkeiten chancenlos bleiben und bootsmäßig gehalten werden?

Ist das Demokratie?



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copyright by ingrid bischur - 05. Februar 2007